Arch Linux Tux

[ENC]BladeXP's Blog

Was die Welt nicht alles braucht!


Asus B50A Hardware modernisieren

2014-07-24 14:16 | categories: arch debian hardware linux software ubuntu

Das alte Asus B50A Notebook meiner Freundin hat jetzt schon einige Jahre auf dem Buckel. Das starten vom System und vieler Programme dauert, für meine Verhältnisse, mittlerweile unerträglich lange. Auffällig ist dabei vor allem die HDD LED am Gerät, was früher ein sporadisches Blinken bei Aktivität war, ist heute fast schon eine Zweite Betriebs LED. Gleichzeitig ist im Systemmonitor sehr gut zu sehen, dass die seit damals verbauten 2GB RAM bei Weitem nicht mehr den Anforderungen genügen.

Lösung

Die Kombination aus viel zu langsamer Festplatte und deutlich zu wenig RAM bekämpft man am besten mit mehr RAM und einer SSD. Bei der Aufnahme der bestehenden Hardware und dessen Ausbaumöglichkeiten wurde hier auch gleich noch ein nicht mehr benötigtes Windows 7 64-Bit (Dualboot) von der Platte gefegt. Nachdem dieser Speicherplatzverschwendung der gar ausgemacht wurde, waren noch ca. 30GB der installierten 500GB SATA Festplatte unter Verwendung.

SSD

Die installierte Festplatte wurde durch eine Plextor M5S 128GB ersetzt. Da ich auf mobilen Geräten ausschließlich verschlüsselte Datenträger verwende und die installierte CPU noch kein AES-NI unterstützt, liegt die Nettodatenübertragungsrate bei ca. 124,96MB/s. Ohne den Overhead der Verschlüsselung würden in diesem Notebook ca. 242MB/s durch die Leitung in Richtung Anwendung geschoben werden. Die alte Festplatte liefert, nur als Vergleich, ca. 69MB/s und ist damit aus technischen Gründen natürlich nicht mehr konkurrenzfähig. Benchmark der Komponenten

Die Bootzeit des Systems (Arch Linux, alles aktuell) liegt bei nur noch ca. 10 Sekunden, im Vergleich zu ca. 40 Sekunden mit der alten Festplatte. Aber auch bei den Anwendungen hat sich einiges getan, z.B. hat LibreOffice auf der alten Hardware noch ca. 30 Sekunden zum Starten benötigt, jetzt sind es deutlich unter 5 Sekunden. Sporadische Hänger gehören genauso wie lange Ladezeiten bei anderen Programmen jetzt der Vergangenheit an.

RAM

Die vorhandenen 2GB RAM wurden auf das für dieses System geltende Maximum von 4GB aufgerüstet, genau genommen komplett ersetzt. Mehr RAM schont die SWAP-Partition und ist im Zweifel immer für etwas mehr Reaktionsfreudigkeit des Systems brauchbar. Schon die Indianer verwendeten das beliebte Sprichwort »RAM ist nur durch mehr RAM zu ersetzen.«.

Fazit

Mit ca. 123€ konnte das doch recht alte Notebook noch mal ordentlich aufgerüstet werden, damit kann dieses Gerät auch noch die nächsten 3-4 Jahre für typische Arbeiten genutzt werden. Natürlich, eine Gaming Workstation wird aus dem Gerät nicht mehr werden, aber doch ein recht solides Arbeitsgerät.


Automatische WLAN Konfiguration

2014-07-09 19:16 | categories: hardware software windows

Der Systemdienst "Automatische WLAN Konfiguration" ist unter Windows unter anderem für das suchen nach verfügbaren Funknetzwerken (WLAN) erforderlich. Ist dieser wichtige Dienst nicht verfügbar, bekommt man lediglich die Fehlermeldung, dass kein Netzwerk verfügbar sei.

Bevor man diesen Dienst verdächtigt, sollte man sich aber die üblichen verdächtigen bei WLAN Verbindungsproblemen anschauen:

  • Hardware Schalter am Gerät?
  • Netzwerkschnittstelle in den Netzwerkverbindungen aktiv?
Hat man dies alles kontrolliert und auch schon den WLAN-Treiber auf den aktuellen Stand gebracht, was sich anbietet, wenn man eh schon dabei ist, sollte man sich die Windows Systemdienste anschauen.

In der Übersicht der Dienste (Windows Taste, "Dienste", Enter) kann man einen Dienst mit dem Namen Automatische WLAN Konfiguration finden, dieser muss gestartet sein. Ist dies nicht der Fall, gibt es links von der Liste entsprechende Optionen. Da dieser Dienst in der Regel automatisch gestartet wird, bekommt man gerne nachfolgende Fehlermeldung: Der Dienst "Automatische WLAN-Konfiguration" auf "Lokaler Computer" konnte nicht gestartet werden. Fehler 1114: Eine DLL-Initialisierungsroutine ist fehlgeschlagen.

Hintergrund ist das die ein oder andere DLL kaputt gegangen ist, nicht registriert ist oder der aktuelle Stand der Sterne ungünstig ist. Eine Überprüfung und Korrektur der installierten DLLs kann man mit folgendem Befehl, welcher als Administrator (Windows Taste, "cmd", Rechte Maustaste, als Administrator ausführen) ausgeführt werden muss, durchführen:

sfc /scannow
Dieser Vorgang dauert, je nach installierter Hardware, einige Minuten. Im Anschluss kann der Dienst (hoffentlich) erfolgreich gestartet werden.

Es wäre schön, wenn Windows derartige Fehler mit aussagekräftigen Fehlermeldungen an der richtigen Stelle schmücken würde. Das Problem ist nicht den Fehler zu finden, sondern die oft falsch gegebenen Standardtipps in diversen Foren (Systemwiederherstellung, Neuinstallation, Voodoo, …).


Homeserver Upgrade

2014-07-03 18:30 | categories: arch debian hardware homeserver linux software ubuntu

Die letzten Jahre hatte ich verschiedene Homeserver im Einsatz, der Erste war ein Flepo Alpha, welcher aber schon ca. 2010 durch einen leistungsfähigeren Atom ersetzt wurde. Durch ein neues Backupkonzept, welches ich hier demnächst vorstellen möchte, ist aber deutlich mehr Leistung erforderlich. Konkret geht es dabei um die Unterstützung von AES-NI durch die CPU, denn meine Daten sollen auch in den eigenen vier Wänden zukünftig nur noch verschlüsselt vorhanden sein.

AES-NI

Lange Zeit war diese CPU Erweiterung nur den Intel Core i7 Prozessoren vorbehalten, welche für einen Homeserver meist zu teuer und ineffizient (Energie!) sind. Seit einiger Zeit gibt es jedoch Prozessoren aus der Intel Core i3 Serie, wie z.B. den Intel Core i3 4130T, welche ebenfalls AES-NI unterstützen. Moderne Intel (und wohl auch AMD) Prozessoren unterstützen dabei schon seit einiger Zeit viele von Notebooks bekannte Energiesparfunktionen, welche dabei helfen den Verbrauch ohne Last (Idle) deutlich zu senken.

Hardware

Für meinen neuen/aktualisierten Homeserver habe ich folgende Hardware verwendet:

  • CPU: Intel Core i3 4130T
  • Board: Gigabyte H87-HD3
  • RAM: 8GB Corsair XMS3
  • HDD: 5x1TB + 2x1TB Western Digital, verschiedene Baureihen
  • Wechselrahmen: 2x Raidsonic IB-553SSK
  • NT: 400 Watt 80+
Die hohe Anzahl von insgesamt 7 1TB Festplatten resultiert aus dem von mir entworfenen Backup Konzept, welches wie oben angesprochen Thema eines anderes Artikels sein wird. Im Betrieb hat der Server immer nur 5 der 7 Platten im Einsatz, der Rest dient zum Auswechseln und Auslagern der Backups.

Energiebedarf

Das System benötigt, im Leerlauf und ohne Festplatten, ca. 25 Watt Energie. Mein altes Atom Board (Gigabyte GA-D525TUD) hatte fast den gleichen Energiebedarf, doch das bei einem Bruchteil der Leistung. Unterschiede gibt es natürlich, wenn das System belastet wird, hier benötigt meine neue Hardware maximal 50 Watt (ohne Platten). Je nach Anzahl und Typ der Festplatten muss man hier 5-10 Watt für eine aktive Festplatte zusätzlich einplanen.

Leistung

Neben dem Energieverbrauch ist natürlich auch die Leistung des Systems ein relevanter Wert, hierzu habe ich verschiedene (wenn auch einfache) Benchmarks ausprobiert. Bitte beachtet das der Vergleich von einem Intel Atom zu einem Intel Core i3 nicht gerade fair ist.

Cryptsetup Benchmark

Da es mir bei der neuen Hardware primär um die Tauglichkeit zur Datenträgerverschlüsselung ging, habe ich hierzu cryptsetup benchmark verwendet. Dieser, etwas neuere und nicht in jeder Distribution, enthaltene Befehl prüft die grundsätzliche Performance von Kernel und Hardware mit verschiedenen gängigen Verschlüsselungsalgorithmen.

Dieser Befehl existiert seit cryptsetup Version 1.6, welche unter anderem auch in Ubuntu 14.04 enthalten ist. Es ist ausreichend diesen Test mit einer Live-CD durchzuführen, eine Installation der aktuellen Version ist für bessere Performance nicht erforderlich.

cryptsetup benchmark (encryption)

7-Zip Benchmark

Das Komprimieren/Dekomprimieren von Daten ist eine weitere häufig durchgeführte und leicht testbare Aufgabe meines Homeservers. Hierzu eignet sich der Befehl 7za b von 7-Zip sehr gut.

7-Zip ist auf Debian basirenden Distributionen im Paket p7zip-full enthalten.

7za b

UEFI

Zwar wäre das neue System auch noch in der Lage einen BIOS abwärts kompatiblen Modus zum booten zu verwenden, ich selbst bevorzuge aber ein UEFI Setup mit gummiboot. Hierzu habe ich einen 4GB USB Stick als festes Bootmedium ausgewählt, dieser steckt permanent im Server. Vorteil dieser Lösung ist, dass kein zusätzliches RAID1 für /boot erforderlich ist, und meine Daten (LVM, RAID) sauber vom Bootvorgang getrennt sind. Die Datenträger haben somit nur noch jeweils eine GPT Partitionstabelle und darauf nur eine einzige Partition, welche ein RAID enthält, auf dem RAID befindet sich nun ein LUKS verschlüsseltes LVM in welchem Betriebssystem und Daten liegen.

Der Umzug ging, abgesehen von der Umstellung auf einen neuen Bootloader, wie bei Linux gewohnt, reibungslos vonstatten.

Fazit

Die neue Hardware hat sich gelohnt, alle Datenträger im System sind vollständig verschlüsselt und damit sind auch meine Daten bei einem Hardwarediebstahl (Einbruch) ausreichend vor Missbrauch geschützt.

Natürlich könnt ihr euch auch die Rohdaten meiner Tests anschauen, ich hab ja nichts zu verbergen ;)


Netzwerktechnik im Eigenheim

2014-06-02 18:15 | categories: allgemeines gebaeudeautomatisierung hardware

Immer öfters werde ich, unter dem Vorwand ich sei doch Elektriker, gefragt, wie man den am besten die Telekommunikationsverkabelung in seinem Haus/Wohnung beim Neubau oder Umbau machen sollte. Und leider gibt es auch heute noch einige Elektroinstallationsunternehmen, bei denen unter Telekommunikation ausschließlich die eine TAE-Dose im Flur gemeint ist.

Telekommunikation hat sich aber auch im privaten Bereich die letzten Jahre deutlich verändert, eine Entwicklung, die auch für den ein oder anderen Techniker anscheinend noch Neuland ist.

Topologie

Die wichtigste Regel: Alle Netzwerkkabel werden zu einem zentralen Punkt im Haus gelegt. Dort trifft sich die Hausverkabelung des Netzwerkes mit der Anschlussleitung des Providers.

Ein zentraler Punkt hat den Vorteil das man dort alle wichtigen Komponenten wie Switches, Router und den Homeserver unterbringen kann. Weniger und dafür zentrale Komponenten sparen nach meiner Erfahrung häufig auch Energie, zumindest wird aber die Anzahl der möglichen Fehlerquellen durch unnötige Komponenten und Verbindungen vermieden.

Auf ein Telekommunikationsfeld im Elektroverteiler würde ich verzichten, diese sind schon bei wenigen Komponenten und Datendosen voll ausgelastet und nicht erweiterbar. Ein richtiger 19" Wandverteiler ist ab 150€ zu haben, bietet deutlich mehr Platz und erlaubt das die Komponenten ordentlich eingebaut werden können. Zusätzlich hat man den Vorteil das herkömmliche 19" Komponenten, wie Patchpanels oder Switches verwendbar sind.

Rohre

Unsere Technikzentrale hat jetzt also einen 19" Schrank an der Wand und wir haben einen Technikraum (vermutlich im Keller oder neben dem Heizraum) in dem alle Kabel zu einem zentralen Punkt verlegt werden. Jetzt brauchen wir noch einen Weg für unsere Datenkabel, auf welche ich im nächsten Abschnitt eingehen werde.

Da Netzwerktechnik ständig im Wandel ist, sollten Netzwerkleitungen ausschließlich im Leerrohr (z.B. FBY Rohr) zwischen Technikzentrale und Datendose verlegt werden. So haben wir später kein Problem unser Kupferkabel gegen Glasfaserleitungen zu tauschen, ein Wechsel, der früher oder später kommen wird.

Auch an Stellen, die aktuell noch keine Datendose benötigen, sollte schon ein Leerrohr gezogen werden, denn Rohr ist billiger als Wand aufreisen und den ganzen Mist in 10 Jahren noch mal neu zu machen.

Kabel

Auch hier wieder eine wichtige Regel: Es gibt nichts mehr anderes als Netzwerkleitungen!

Ein normales (altes) Telefonkabel hat in einem Neubau oder Umbau nichts mehr zu suchen, denn auch für diese altmodischen Dienste kann man ein Netzwerkkabel nehmen. Ethernet über Telefonkabel ist sicher etwas für jemanden der gerne bastelt, aber spätestens bei Gigabit Ethernet (Standard) kein Spaß mehr.

Das Kabel unserer Wahl ist also ein schönes Netzwerkkabel der Kategorie 7, welches auch für viele zukünftige Anwendungen wie 10 Gigabit Ethernet ausreichend ist. Preislich macht es kaum einen Sinn ein schlechteres Kabel zu verlegen, der Aufwand später zu migrieren steht in keinem Verhältnis zum Preisunterschied.

Dosen / Panels

Verteiler, Rohre und Kabel haben wir bis jetzt auf unserer Planungs- bzw. Einkaufsliste. Am Schluss kommt jetzt noch das Wichtigste: Die Netzwerkdosen bzw. Datendosen.

Hier gibt es in jeder Preisklasse etwas, von einfachen Netzwerkdosen mit Cat5 Norm bis hin zu modularen Steckersystemen der Cat6a ist alles geboten. Es ist relativ egal, für was man sich entscheidet, wichtig ist nur dass ein RJ45 Stecker in die Buchse passt. Abgesehen von der Cat Norm unterscheiden sich die verschiedenen Dosen in der Anschlusstechnik und vor allem im Installationsaufwand für das Konfektionieren.

Auf die Gegenseite, also in unseren tollen Netzwerkschrank, kommen normale 24-Port 19" Patchpanels, welche ab ca. 50€ pro Stück zu haben sind. Das ein oder andere Rangierpanel sorgt dafür, dass die Kabel nicht wild in der Gegend rumhängen und das ganze einigermaßen ordentlich aussieht.

Wohin mit den Dosen?

Eine wichtige Frage ist neben der verwendeten Technik, ein Problem, welches wir weiter oben geklärt haben, vor allem die Anzahl und der Ort unserer Netzwerkdosen. Hierzu ein paar Vorschläge bzw. Regeln, welche sich bei mir in der Praxis bewährt haben.

  • Jedes Zimmer bekommt mindestens eine Netzwerkdoppeldose.
  • Unser Wohnzimmer bekommt in der TV-Ecke mindestens 2 Netzwerkdoppeldosen, besser sogar 3.
  • Der Elektroverteiler bekommt auch eine Netzwerkdoppeldose, schließlich wollen wir auch an Daten von unserem Stromzähler kommen und Einfluss auf unser Smart Home nehmen.
  • Räume die als Büro genutzt werden sollen bekommen auch 2 Doppeldosen, dass gleiche gilt für Räume, die als Kinderzimmer deklariert worden sind.
  • Auch im Dachboden sehen Netzwerkdosen schick aus, spätestens, wenn der Wechselrichter unserer PV-Anlage einen Netzwerkanschluss hat möchten wir auch diese Daten abrufen können.
  • Pro Etage sollte, je nach Gebäude, auch eine Netzwerkdose im Flur vorhanden sein. Dort ist ein guter Punkt für unsere Access Points, damit auch WLAN flächendeckend in ausreichender Qualität verfügbar ist.
  • Türsprechstellen gibt es auch in einer IP-Ausführung, daher sollte auch dorthin eine Leitung gelegt werden.

Um diese Liste kurz zusammenzufassen: Es gibt nicht zu viele Netzwerkanschlüsse, sondern nur zu wenig davon. Langfristig wird jedes Gerät in unserem Haus entweder WLAN können oder über einen Ethernet Anschluss verfügen.

Fazit

Wir können grundsätzlich nicht viel falsch machen, wenn wir nur genug Netzwerkleitungen im Haus verlegen und diese an einer zentralen Stelle bündeln. Wer Geld sparen möchte, sollte auf Leerrohre und Leerdosen in der Wand setzen, an der Anzahl der möglichen Anschlüsse sollte man nicht sparen, außer man baut gerne um weil einem Gartenarbeit keinen Spaß macht.

Viele Empfehlungen aus diesem Artikel sind meine persönlichen Erfahrungen aus der Praxis, jeder kann aber niemand muss es in dieser Form umsetzen.


Smart Home

2014-05-16 16:10 | categories: energie gebaeudeautomatisierung hardware

Beim Bauen eines Hauses gibt es neben der etablierten konventionellen Elektroinstallation auch ein Konzept das unter dem Namen Smart Home wie die Sau durchs Dorf getrieben wird. In diesem Artikel möchte ich auf mögliche Fallen und falsche Erwartungen eingehen.

Was ist Smart Home?

Fangen wir zuerst einmal mit dem Begriff an, die Wortschöpfung Smart Home besteht aus den beiden englischen Wörtern Smart und Home. Wir kennen diese beiden Worte nur zu gut, dass eine bedeutet für viele von uns einfach nur zu Hause, das andere kennen wir von diesen mehr oder weniger intelligenten Handies welche sich Smartphone schimpfen dürfen.

Eine smarte, also intelligente Wohnung, ist ein durchaus wünschenswertes Ziel. Eine intelligente Wohnung könnte mir lästige Aufgaben abnehmen, z.B. das Automatische öffnen der Rollladen bei Sonnenaufgang im Sommer. Neben viel Komfort lässt sich durch einige Maßnahmen so auch wertvolle Energie sparen, gleichzeitig steigt (wenn alles funktioniert wie es soll) auch der WAF (Woman Acceptance Factor) der eigenen vier Wände.

Was viele glauben was ein Smart Home ist?

Leider glauben viele Menschen das ein Smart Home nichts weiter als die Integration der vorhandenen Elektroinstallation in unser Smartphone oder Tablet ist. Ein gewaltiger Trugschluss, denn die Möglichkeit unser Gebäude mit mobilen Endgeräten zu bedienen ist nur ein netter Nebeneffekt, welchen wir bei der Gelegenheit mit nutzen können. Doch wie intelligent ist ein Haus, wenn ich alles mit dem Smartphone steuern muss? Richtig, irgendwie hat das mit Smart nicht viel gemeinsam.

Warum muss ich 25 Schaltmöglichkeiten im Wohnzimmer haben? Warum nicht einfach eine Szene "Fernsehen" aufrufen und schon fährt die Jalousie passend, die Beleuchtung wechselt die Farbe und Dimmwerte automatisch und alles ist schön? Etwas mehr KISS könnte manchen Technikverliebten Menschen nicht schaden. Nicht selten das Ich 3-4 4-Fach Taster im Wohnzimmer ertragen muss. Wozu muss ich alle 12-16 Schaltmöglichkeit an einer Schaltstelle neben der Tür haben?

Smart Home wird oft zu einem Spielzeug, das Angeben vor Freunden dass man alles einzeln mit dem Tablet steuern kann wird wichtiger als der Nutzen dieser noch relativ teuren Anlagen. Die Vorteile bleiben dabei auf der Strecke, z.B. wird oft auf eine Wetterstation verzichtet, als Ausgleich wird das Licht im Abstellraum dafür dimmbar gemacht.

Smart Home, aber richtig!

Eine Wetterstation ermöglicht es z.B. einfach bestimmte Dinge zu automatisieren, einige davon können auch ordentlich Energie sparen oder sind einfach nur angenehm:

  • Rollladen bei großen Außentemperaturen automatisch auf der Sonnenseite absenken.
  • Rollladen im Winter sobald die Sonne verfügbar ist (und man ausgeschlafen hat) nach oben Fahren um die Sonne (und deren Wärme) zu nutzen.
  • Rollladen steuern den Einfall der Sonne, die Sonne macht Licht, man denke nur mal daran, wie viel Energie man durch die Nutzung der Sonne sparen könnte.
  • Lichtschächte im Dach von Flachbauten können zur Belüftung automatisch geöffnet werden.
  • Einschalten einer Wegebeleuchtung (LEDs) bei Dämmerung oder Dunkelheit.
  • Automatisches Abschalten diverser Beleuchtung in Abhängigkeit der Außenbeleuchtung und dem Status der Rollladen.
Das waren nur die gängigsten Beispiele, einige davon lassen sich auch nicht auf jeden Gebäudetyp anwenden. Ein Passivhaus hat andere Anforderungen als ein Niederenergiehaus, und bei einem sanierten Altbau ist alles komplett anders.

Auch sehr beliebt ist der Zentral-AUS Schalter der durch seine Betätigung die Frage "Ist das Licht oben noch an?" erübrigt. Die Raumtemperatur in Abhängigkeit der gewohnten Anwesenheit zu steuern ist fast schon langweiliger Standard. Bewegungsmelder oder Präsenzmelder sorgen in einigen Räumen dafür, dass Licht nicht länger als unbedingt erforderlich brennt. Durch zusätzliche Sensoren und Aktoren sind die Möglichkeiten beinahe grenzenlos, wobei nicht alles, was möglich ist, auch sinnvoll ist.

Früher haben einige Menschen Netzfreischalter gekauft um die Leitungen in ihren Schlafräumen spannungsfrei zu schalten, egal was man davon halten mag, aber mit einer ordentlichen Elektroinstallation und einem Hauch Smart Home lässt sich der Elektrosmog in den eigenen 4 Wänden eindämmen.

KNX als Standard

In den letzten Jahren gab es viele verschiedene Systeme unterschiedlicher Hersteller, welche oft inkompatibel zueinander sind. Auch die großen Energieversorger sind (leider) auf diesen Zug aufgesprungen, und bieten teils abenteuerliche Konstruktionen als Lösung für den Wunsch nach einem Smart Home an. Doch stirbt ein herstellerspezifischer Standard sitzt man als Kunde auf dem Trockenen. Man sollte sich also immer an Standards orientieren, im Bereich der Gebäudeautomatisierung ist dies vor allem der KNX (früher EIB) Bus.

KNX ist ein Bussystem welches schon einige Jahrzehnte (wenn auch früher unter anderem Namen) als Standard hinter sich hat und viele Hersteller vereint. Es gibt innovative Produkte der großen Hersteller aus dem Elektrobereich, und auch zunehmend Lösungen von kleinen aber kreativen Unternehmen. Der KNX Bus hat sich bewährt, vor allem Unternehmen setzen für Neubauten überwiegend auf die Installation mittels KNX Bus. Vorteil vom KNX ist hauptsächlich die große Auswahl an verfügbaren Sensoren und Aktoren. Sensoren sind z.B. Lichtschalter, Präsenzmelder oder eine Wetterstation, die Dinge die geschaltet werden können oder etwas verändern, nennen sich Aktoren.

Alternativen zum KNX sind natürlich vorhanden, aber überwiegend etwas für Menschen, die gerne Basteln oder experimentierfreudig sind. Von SPS Steuerungen im Verteilerschrank und recht hässlichen (aber wohl sehr billigen) Schaltern über wirklich toll gemachte Lösungen findet man hier alles. Leider ist man meist von einem bestimmten Hersteller abhängig, kündigt dieser seine Lösung nach 3-4 Jahren ab steht man im Regen. Die meisten Gebäude stehen deutlich länger als der Produktlebenszyklus eines Herstellers dauert. Durch die Normung vom KNX können hier einfach verschiedene Hersteller gemischt werden.

Einige der Lösungen werden auf eine sehr ähnliche Art und Weise verkabelt, andere Unterscheiden sich in der Topologie und Technik deutlich. Verzichten sollte man in jedem Fall auf Funklösungen, denn wer Funk im Neubau verwendet hat beim Planen wohl geschlafen.

Fazit

Smart Home kann Fluch und Segen zu gleich sein, wie in vielen anderen Bereichen kommt es vor allem auf die korrekte Umsetzung an. Die kurzfristige Ersparnis bei der Erstinstallation kann sich schon nach wenigen Jahren teuer bemerkbar machen. Eine DIY Lösung, die heute noch total toll ist, kann morgen schon keinen Spaß mehr machen, Änderungen sind immer mit Kosten verbunden, sobald man an die Hardware geht.