Heute wird ja auch im privaten Wohnungsbau zunehmend mit der sog. Gebäudeautomatisierung
gearbeitet, man baut also keine dummen Geräte mehr ein, sondern Geräte
die eine gewisse Intelligenz haben, also Geräte welche neue Funktionen nur durch eine
Änderung der jeweiligen Software ermöglichen.
Das ganze hat im Zweckbau den Sinn das man mit möglichst wenig Aufwand etwas
verändern kann, früher hat man für eine Treppenhausschaltung in der Elektroverteilung
etwas ändern müssen, heute stellt man in einem sog. Aktor (vereinfacht gesagt
ein programmierbares Relais) einfach den entsprechenden Parameter um.
Im privaten Wohnungsbau werden mit dieser Technik bevorzugt Komfortlösungen realisiert,
z.B. ein Zentral-Aus Schalter neben der Ausgangstür, oder die Wetter- und Jahreszeitabhängige
künstliche Beschattung von Gebäuden um Energie zu sparen.
Nehmen wir einfach mal an ein Bauherr entscheidet sich 2010 sein Gebäude mit
derartiger Technik auszurüsten, er bekommt viele tolle Geräte rein und alles wird
miteinander verknüpft:
- Die Waschmaschine erkennt ob sie beladen wurden, und startet Nachts automatisch
den Waschgang.
- Im Sommer werden Tagsüber die Rolladen automatisch gesenkt um eine unnötige
Aufheizung des Gebäudes zu vermeiden, im Winter wird automatisch die Rollade aufgefahren
um die Wärme der Sonne zur Unterstützung der Heizung zu nutzen.
- Jeder Raum hat einen Raumtemperaturregler welcher verschiedene Temperaturen
in Abhängigkeit von Benutzerspezifischen Parametern ansteuert, auch dies dient
dem Komfort vor allem aber dem Sparen von (teurer) Energie.
Das ganze funktioniert auch, der Bauherr ist zufrieden, er spart Energie und die
Frau hat Funktionen die in der alten Mietwohnung nicht vorhanden waren.
2020 hat die Familie Nachwuchs bekommen, die Tochter hat durch eine Verkettung
mehr oder weniger gewollter Umstände ein Kind bekommen, der Freund der Tochter möchte
auch mit ins Haus... Es verändert sich alles, die Räume werden anders genutzt, das
ganze Haus muss jetzt auch Kleinkindertauglich gemacht werden usw...
Da man ja EIB / KNX im Haus hat ist dies alles kein Problem, ein Anruf bei der
zuständiges Elektrofachkraft und schon kommt eine nette Person vorbei welche für
Geld die gewünschten Änderungen an der Steuerung vornimmt. Doch damit fangen die
Probleme der tollen Lösung an: Viele der modernen Geräte aus 2010 haben sog. Plugins
benötigt, welche in die Programmiersoftware ETS eingebunden werden und
auch sonst recht viel Sachen im Betriebssystem installieren. Die alte Steuerung wurde
auch 2010 noch mit Windows XP programmiert, der Anbieter der Hardware hat ja versprochen
das er auch für alte Produkte ein Update auf Windows 7 64-Bit und ETS4 (statt 3)
anbieten wird.
Im Jahr 2020 hat aber (hoffentlich) niemand mehr Windows XP 32-Bit im Einsatz,
noch dazu benötigen die alten Plugins zwingend das Microsoft
.Net Framework 1.1 für welches es schon seit 2013 keinen Support mehr gibt,
und welches sich auf dem neuen Notebook mit Windows 10 64-Bit nicht mehr installieren
lässt.
Hat man nur 1-2 derartige Geräte die Plugins benötigen kann man die gegen einen
gewissen Geldbetrag noch austauschen, hat man aber Geräte von z.b. Busch & Jäger
gekauft welche sogar für viele Lichtschalter schon diese tollen Plugins benötigen
kann man mal eben die komplette Installation austauschen, das gute: Die Kabel
können so liegen bleiben und auch passive Komponenten wie Spannungsversorgung,
Linienkoppler und Programmierschnittstelle können weiter genutzt werden.
Ich persönlich mache derartige Steuerungen / Lösungen nur für den Zweckbau, da ist
es nicht so extrem Schlimm wenn ich nach 10 Jahren ~5 Touchpanels a 1500€ austauschen
muss weil diese derartige Plugins benötigen. Im Zweckbau erschlage ich auch 90%
meiner Anforderungen mit Hardware für die ich keine Plugins brauche, aber im privaten
Wohnungsbau dürfte das Gespräch zwischen Bauherr und Elektrofachkraft ähnlich
Emotional werden wie eine Diskussion über das Bedingungslose Grundeinkommen.
Daher folgender Richtwert: Vermeide Geräte in der Gebäudeautomatisierung mit
EIB / KNX wenn diese Plugins brauchen, und es Alternativen gibt welche die gleichen
Anforderungen erfüllen können, das sorgt zum einen für mehr Druck bei den Herstellern
die derartigen Müll an Kunden verkaufen möchten, und spart einem im besten Fall
in 10 Jahren viel Erklärungsarbeit bei einem Kunden der dafür einfach kein Verständnis
hat ;-)
Zusätzlich Gerät, je mehr von einem bestimmten Gerät man verbaut, desto weniger
Interesse hat man daran das man für dieses Gerät Plugins braucht!