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Was die Welt nicht alles braucht!

Warum die Leute WhatsApp nutzen?

2014-03-22 18:56 | Kategorien: allgemeines android sicherheit software

In den letzten Wochen war für viele Menschen vor allem die Übernahme von WhatsApp durch Facebook ein relevantes Thema. Im Eifer des Gefechts haben dann viele Menschen (realistisch betracht nur sehr wenige insgesamt) eine Alternative gesucht. Häufig war hier Threema, TextSecure, Telegram oder sogar Jabber die jeweils beste Alternative.

Mit Threema als Alternative werde ich mich in einem gesonderten Artikel beschäftigen, in diesem hier soll es um die Gründe für WhatsApp gehen, vor allem um die Dinge welche WhatsApp aus Anwenderperspektive richtig gemacht hat.

Usability

Meiner Meinung nach der häufigste Grund warum jemand zu WhatsApp anstatt einer der vielen Alternativen Messenger Lösungen greift ist die Usability. Es ist ausreichend die App zu installieren, der Rest läuft SMS ähnlich über die Handynummer. Es gibt keine komplizierten Einstellungen, und zusätzlich noch einige Funktionen, welche eine normale SMS nicht bietet. Praktischerweise läuft WhatsApp auch noch auf jedem Betriebssystem, selbst abseits der iOS und Android Dominanz. Wenn es einen Touchschreen hat gibt es auch ein WhatsApp im Store dafür, so einfach ist das.

Die Konfiguration von WhatsApp nach der ersten Installation ist selbst für Laien kein Problem, nach der Installation wird nur nach der Handynummer gefragt. Ist die Handynummer bestätigt, kann man auch schon direkt die Anwendung nutzen, fertig.

Das dabei das komplette Adressbuch an WhatsApp übertragen wird ist ein Vorteil für den Anwender, den die Liste der möglichen Kontakte ist vom Start weg sehr gut gefüllt. Wir Datenschützer fassen uns dabei gerne an den Kopf, doch dazu später.

Kosten

WhatsApp kostet pro Jahr 89 Cent, was ein sehr überschaubarer Betrag für einen SMS Ersatz ist. Das Alternativen zur SMS gesucht wurden ist zum einen auf technische Unzulänglichkeiten zurückzuführen, zum anderen aber auch einfach auf die unpraktischen Tarifstrukturen der Provider.

Selbst innerhalb eines Landes ist oft nicht klar welche Kosten eine SMS verursacht, da dies Abhängig vom Netz des Empfängers ist. Die Tarife sind für Laien kaum noch zu durchschauen und so werden sehr oft, deutlich über Bedarf, Flatrates in alle möglichen Netze gebucht. Sobald man Kontakte aus dem Ausland (selbst innerhalb Europas) hat, ist eine SMS kein sinnvolles oder finanzierbares Kommunikationsmittel mehr.

Upgrades der klassischen SMS, wie z.B. die kaum verbreitete MMS waren schon von Beginn an dem Tode geweiht. Dort waren die Tarifstrukturen ebenfalls undurchsichtig, und der Mehrwert doch sehr gering. MMS sind an den Tarifen bei der Einführung schon frühzeitig verstorben, genauso wie die Videotelefonie bei der Einführung von ISDN oder bei der Migration auf moderne 3G (UMTS) Netze.

WhatsApp bietet also eine weltweite Kommunikationsflatrate für weniger als einen Euro pro Jahr an, zusätzlich ist es im ersten Jahr kostenlos. Bei den Providern gibt es kein Produkt, welches man ein Jahr kostenlos testen darf, von weltweitem kostenlosem Roaming möchte ich nichtmal träumen ;)

Technik

Das Schöne an WhatsApp ist auch die Technik, denn damit hat der normale Anwender, den ich immer gerne als Laie bezeichne nichts zu tun. Er muss und soll nicht wissen wie WhatsApp funktioniert, er muss nur wissen, dass es irgendwie über das Internet geht und die Nachrichten auch beim richtigen Empfänger ankommen.

Im Vergleich zu vielen anderen Lösungen wie Jabber/XMPP funktioniert auch das teilen von Multimediainhalten ohne Probleme. Der Anwender muss sich nicht erst einen STUN Server suchen oder exotische Einstellungen konfigurieren, er bekommt einfach die an ihn versendeten Bilder auf sein Smartphone geliefert.

Auch ein Benutzername und Passwort ist nicht vorhanden, der Anwender kann es also auch nicht vergessen und damit verbundene Probleme können gar nicht erst entstehen. Die Adresse vom Server, oder dessen SSL/TLS Einstellungen sowie Port sind für den WhatsApp Nutzer ebenfalls kein Thema. Irgendwie funktioniert das einfach, warum ist dem Anwender egal, und da möchte er sich auch nicht belehren lassen.

Belehrungen über Technik, das haben viele Menschen im vergangenen Jahr 2013 auf verschiedenen Cryptoparties gemacht. Man hat versucht den Anwendern zu erklären wie Dinge funktionieren die einen nicht interessieren sollten. Nach meiner Erfahrung dürften wohl weniger als 20% der Teilnehmer von damals auch heute noch GPG und Co verwenden.

Werbung

Aktuell hat WhatsApp keine Werbung, und wir wissen das Anwender ja gerne mal mit Werbung auf dem Kriegsfuß stehen. Das WhatsApp keine Werbung anzeigt gehört mit zur "Nerve den Anwender nicht"-Strategie, eine Strategie, welche vor allem von den Mobilfunkprovidern verlernt wurde.

Dinge die den Anwender nerven, führen automatisch zu geringerer Akzeptanz durch diesen, wobei die Schmerzgrenze hier doch sehr unterschiedlich zu sein scheint.

Sicherheit / Datenschutz

Datenschutz und Sicherheit waren für WhatsApp nie ein großes Thema und dies vor allem im negativen Sinn. WhatsApp hat hier aber auch nie großartig Versprechungen gemacht. Niemand hat WhatsApp mit "Die sichere Alternative" oder ähnlichen teils plakativen Sprüchen beworben, es sollte nur funktionieren, niemand hat gesagt, dass es auch Sicherheit und Datenschutz bieten sollte.

Das sich WhatsApp einfach mal das komplette Adressbuch auf die eigenen Server kopiert ist dann eben einfach etwas das die Anwender akzeptiert haben, Datenschutz ist schon toll aber er soll mich nicht bei meiner täglichen Arbeit nerven. So zumindest der Eindruck den ich bei den vielen WhatsApp Anwendern die ich kenne gemacht habe. Auch die technischen Unzulänglichkeiten mit Accountübernahmen sind für den typischen WhatsApp Nutzer kein Thema, man hat ja (wie immer) nichts zu verbergen und niemand würde sich die Mühe machen diesen Account zu hacken.

Fazit

Der typische WhatsApp Anwender ist entweder sehr faul oder möchte einfach sein leben ohne zu viel technisches Wissen Leben können. Wenn wir eine Alternative zu WhatsApp bieten wollen muss sich diese auch an WhatsApp was Usability angeht orientieren oder man ist direkt zum Scheitern verurteilt. Zu scheitern, das bedeutet vor allem das die Nerds weiterhin ihre coolen aber kaum verbreiten Messenger unter sich benutzen können.

Innerhalb der Filterblase, das ist gerade bei Messengern sehr oft zu sehen, ist es halt sehr gemütlich. Jeder kennt den besten Messenger, den mit der besten Crypto oder überhaupt die Killerapp welche Chantal aus der 9. Klasse aber nicht installieren würde. Aus dem Kopf ein paar Primzahlen zu Berechnen ist für uns kein Problem, also muss man es den Leuten doch nur erklären damit die es auch verstehen. Das ist der falsche Ansatz, egal wie viele Cryptoparties wir abhalten, die breite Masse der Menschen wird keine Technik verwenden, für die man erst eine Veranstaltung besuchen sollte.

Alternativen müssen natürlich auch Dinge wie Datenschutz und Sicherheit bieten, doch muss es unter der Haube passieren, denn was den Anwender nicht nervt das stört ihn auch nicht. Wir müssen nicht jedes Szenario in unseren Lösungen abdecken, wir müssen die Probleme der breiten Masse lösen, und das ist nicht die NSA sondern der neugierige Arbeitgeber, unser Provider oder der Typ im WLAN am Tisch gegenüber.


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