Linux nicht reif für den Desktop?
Unter linuxfonts.narod.ru findet man Gründe warum Linux nichts für den Desktop ist, zumindest nicht im Moment.
Nun, einige Punkte mögen Stimmen, aber andere werden einfach nur gepusht damit man mal wieder was zu jammern hat ;-)
Das ganze fängt schon recht Lustig mit dem Punkt 0 auf dieser Seite an. Soll das ein Witz sein? Komplizierte Software die Spiele und Datenbanken werden immer Closed Source sein? Sehr komische Einstellungen welche die da haben! Den Datenbanken gibt es genug im OpenSource Bereich, man denke nur mal an MySQL oder noch eher PostgreSQL! Klar, bei Spielen ist aktuell die Entwicklung noch nicht so Stark, aber auch hier hat sich die letzten Jahre einiges getan!
Der Punkt 1 fällt mal wieder so richtig über das so schlechte Soundsystem von Linux her. Nur warum? Sound ist im Gegensatz zu dem Stand vor einigen Jahren nicht mehr das große Problem unter Linux. In 90% der Fällen läuft alles Out-Of-Box! Und dafür das irgendwelche alten und Proprietären Programme von PulseAudo, ALSA & Co noch nichts gehört haben können wir nun wirklich nichts! Wenn Microsoft mal eine Schnittstelle über den Haufen wird heult den alten Programmen ja auch keiner hinterher.
Punkt 2 geht mal wieder an X11, war ja klar. Eigentlich dachte ich das dies der Schwachpunkt an Linux schlechthin wäre, aber so kann man sich täuschen. Wir haben keine guten APIs für GUI Programmierung? Nein, Qt und Gtk+ ändern natürlich alle 3 Monate komplett ihre Schnittstellen. So langsam frage ich mich da schon wer da Recherche Betrieben hat (oder was der dabei gesoffen hat). Auch ist GUI laut dem Autor sehr langsam und nur an wenigen Stellen beschleunigt. Von Double-Buffering weiß ein Linux User angeblich auch nichts.
Punkt 3 geht mal wieder an die Distributoren. Den jeder Kocht hier sein eigenes Süppchen was Konfiguration, Installation, Softwareverwaltung und Updates angeht. Hier wünscht sich der Autor ein einheitliches System, und der nervige Dreisatz ist für User auch eine Zumutung. Ist das wirklich so? Nun, kaum ein normaler Office & Internet Anwender wird wohl jemals ein Paket selbst kompilieren müssen. Das machen in der Regel nur Leute die eine spezielle Version brauchen die noch nicht in den Paketquellen ist, oder welche wo einfach nur Featuregeil sind. Was der Author aber verschweigt ist das es auch unter Windows kein einheitliches Installationskonzept gibt, zumal man unter Windows ja schon genug Probleme hat eine Software wieder sauber aus dem System zu bringen. Eine Zentrale Architektur um alle installierte Software zu aktualisieren gibt es bei Microsoft ja immer noch nicht ;-)
Punkt 4 erwartet das es doch bei einem modernen Betriebssystem möglich sein muss alles über eine GUI zu erledigen. Dieser Wunsch wird von vielen "Fachzeitschriften" immer wieder mal abgedruckt. Dabei wird aber oft vergessen in welchem Fall man mal als normaler User wirklich ne Shell braucht. Auch wird verschwiegen welche Vorteile das eine Shell in verschiedenen Szenarien hat (Serverkonfiguration, Replikation, ...). Das man unter Windows bestimmte Sachen nur durch Setzen von Umgebungsvariablen oder Registry Keys erreicht juckt ja mal wieder niemanden.
Punkt 5 ist mal wieder ein Hard und Softwarerundumschlag. Zum einen fehlen die Treiber (die für Windows ja auch der Hersteller liefert) zum anderen wird kritisiert das Windows Programme und Spiele ja nicht unter Linux gehen. Selbst Schuld wenn der Softwareanbieter die Software nur für eine Proprietäre Schnittstelle aus dem Hause Microsoft anbietet. Linux ist mal wieder nicht reif für den Desktop weil Hersteller keine Standards einhalten? Linux ist schuld weil es GDI-Drucker gibt?
Punkt 6 ist mein Liebling, da wird auf Regressionen im Kernel eingegangen. Es gibt dem Autor zu folge zu wenige Regressionstests bei der Entwicklung vom Kernel. Selbst in der Geschichte von Microsoft gab es und gibt es Regressionen (MS-IIS und Unicode lässt Grüßen). Auch wird verschwiegen das diese Regressionen recht schnell gefixt werden, bei anderen Herstellern von Betriebssystemen ist sowas nicht selbstverständlich. Man kauft halt neue Hardware, was solls.
Punkt 7 könnte man eigentlich auch unter Punkt 6 schreiben, hier geht es um Bugs die schon ewig (10 Jahre usw...) offen sind, etliche Duplikate haben aber einfach nicht gefixt werden wollen. Ist sich der Autor sicher das es wirklich Bugs sind? Langsam zweifle ich an dessen Verstand... unter Windows gibt es auch (fragt google) lange Listen von Fehlern und wie man diese Umgehen kann. Dort nennt man sowas aber nicht Bug (wird ja eh nicht alles öffentlich dokumentiert) sonder man spricht von einer Unzulänglichkeit für die es ein Workaroung gibt.
Punkt 8 geht auf die Zusammenarbeit der verschiedenen Programme ein, gut den Punkt lasse ich mal wirklich zählen. Aber auch hierfür gibt es mittlerweile Standards wie die von freedesktop.org! Aber bei Punkt 8.1 muss ich mir an den Kopf fassen: Most distros don't allow you to easily set up a server with e.g. such a configuration: Samba, SMTP/POP3, Apache HTTP Auth and FTP where all users are virtual. Das sich aber easy und diese Arten von Server schon fast Gegenseitig ausschließen wird vergessen. Klar, Samba kann man ja schon mit GUIs machen. Aber wer bitte schön tut sich freiwillig eine Unflexible GUI an um einen Apache zu Konfigurieren? Oder gar einen Mailserver *grusel*.
Punkt 9 ist auch ein Brüller. Hier geht es darum wie langsam doch Linux ist. Als Beispiel wird OpenOffice genannt, welches unter Windows ja viel viel schneller als unter Linux ist. Aber auch nur wenn man den Autostart verwendet (steht so aber nicht im Artikel). Und der Linker von Linux ist lahm, aber es wird vergessen das dieser Problemlos mehre Versionen einer Library nebeneinander dulden und Verwalten kann. Wer das schon mal unter Windows versucht hatte weis was man da vor sich hat! Auch das nicht Verzögerte Laden von System Diensten wird stark kritisiert, aber warum? Wenn ich meinen Desktop sehe will ich damit was arbeiten und nicht erst noch 5 Minuten warten bis die Festplatten-LED sich wieder beruhigt hat. Die Bootzeit von Linux wurde in den letzten Jahren immer wieder mal überarbeitet! Aber der Brüller bei diesem Punkt ist das Linux sehr lange braucht bis es sich endlich mal heruntergefahren hat. Ich habe mal nachgemessen, mein Linux braucht ca. 21 Sekunden für einen Shutdown. Auf der gleichen Maschine benötigt ein Windows XP je nach Lust und Laune (Solarstürme als Ursache?) gerne mal 90 Sekunden, ab und an auch mal nur 30.
Punkt 10 geht auf die Fehlermeldungen ein, ein Knaller wie ich finde. Lustige Fehlermeldungen kennt man ja von Windows mehr als genug :-D
Punkt 11 geht auf die schlechte Dokumentation ein, natürlich wurde in der Windows Welt jeder Registry Key und Button schön Dokumentiert. Warum man bei vielen Knöpfen aber mit der Direkthilfe keine Hilfe bekommt kann mir irgendwie keiner so richtig erklären.
Punkt 12 kümmert sich um das Sicherheitsmodell von Linux, welches ja sehr fragwürdig ist. Auf diesen Punkt gehe ich jetzt einfach mal nicht weiter ein, sonst wird dieser Blog Eintrag länger als Harry Potter.
Punkt 13 hat es mit der Abwärts- und Aufwärtskompatibilität zu tun. Also Abwärtskompatible kenne ich, das geht bei vielen Sachen ganz prima egal welches OS man hat. Aber die Behauptung das sogar noch viele Windows 95 noch prima unter Windows 7 laufen wage ich doch Stark zu bezweifeln! Aber was ist eigentlich eine Aufwärtskompatibilität? Sowas habe ich bei Software bisher noch nicht gesehen, den fast jede Software die ich kenne Konvertiert Daten in das neue Format, nicht aber wieder zurück in das alte Format.
Punkt 14 (Sie haben Ihr Ziel erreicht!) geht auf Probleme einer Einheitlichen Zentralen Verwaltung ein. Das aber eine Einheitliche Policy kaum alle Probleme Lösung kann wird verschwiegen ;-)
So, ich habe fertig. Meiner Meinung nach wäre es wirklich schade wenn jemand den Mist von diesem Autor auch noch ausdruckt. Futter für die doofen könnte man sagen, den genauso schlecht wie ich Argumentiert habe wurde auch in dem verlinkten Artikel Argumentiert. Wenn man einen Fehler sucht, dann wird man auch einen Finden könnte man wohl meinen. Den viele seiner Argumentationen bzw. Behauptungen kann man mit nur 3 anderen Wörtern auch auf Windows oder sogar Mac OS X anwenden.
Merkeregel: Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen (welche ein Ironie wenn man an Windows dabei denkt).
Fazit
Linux nicht reif für den Desktop? Ist es nicht eher andersrum? Ich denke eher das die Hardwarehersteller und die User nicht bereit sind für Linux. Den viele Suchen eine Alternative zu Windows, und genau das ist auch das Problem. Die Leute sollen keine Alternative zu Windows Suchen wo genauso ist wie Windows, die Leute müssen einfach mal kapieren das Linux und Windows 2 Unterschiedliche Betriebssystem sind. Linux soll und will kein Windows sein, dafür gibt es schon ReactOS.